Info
Bandname:  Amon Amarth
Albumname:  Deceiver Of The Gods
Musikrichtung:  Death Metal
Erscheinungsjahr:  2013
Label:  Metal Blade
Herkunft:  Schweden
Facebook:  www.facebook.com/OfficialAmonAmarth‎
Website:  www.amonamarth.com


Es gibt Bands, die touren scheinbar unablässig um den Erdball und veröffentlichen trotzdem in schöner Regelmäßigkeit gute bis sehr gute Studioalben. Zu dieser überschaubaren Riege von Kapellen gehören AMON AMARTH ohne Zweifel dazu.
„Deceiver Of The Gods“ ist das nun mittlerweile neunte Album der unermüdlichen Truppe.

Großartige Veränderungen, Experimente oder gar die gänzliche Abkehr des Bisherigen wird wohl niemand ernsthaft von der Band erwarten.
Dennoch muss man den Schweden zweifelsohne zugute halten, dass sie ihrem Stil treu bleiben ohne sich ständig 1:1 zu wiederholen, auch dieser Drahtseilakt gelingt den Wenigsten.
So bietet auch das neue Werk gewohnte Kost und dennoch gibt es viele kleine feine Unterschiede und Veränderungen zu entdecken. (Ja, da höre ich jetzt schon den Aufschrei der Puristen und selbsternannten Szenewächtern)
Somit wäre auch gleich klar:
Wer AMON AMARTH bisher gemieden hat wie Keith Richards die Nikotinpflaster, der braucht sich auch hier keine großen Hoffnungen zu machen, nun plötzlich vom Gegenteil überzeugt zu werden.

Die erste größere Veränderung traf man mit der Wahl des Produzenten, welche diesmal auf Andy Sneap fiel, was dem Album hörbar gut tut, wie ich finde. AMON AMARTH klingen kantiger, frischer und direkter.
Man hat die Gitarrenwände etwas ausgedünnt (ohne das dabei die Kraft und Wucht auf der Strecke bleiben), der Bass ist gut in Szene gesetzt und über allem thront natürlich Johans Organ. Welches er auch diesmal wieder in seinem Klangspektrum so variabel wie nur irgendmöglich einsetzt. Da gibt’s die gewohnten Growls in allen Facetten und Gekeife, genauso wie dieses (für mich so angenehme) tiefe Gurgeln, wo man jeden Moment drauf wartet, dass der Gute erstmal ordentlich abhustet. Johan Heggs Stimme ist markant und ein sehr wichtiger Bestandteil im AMON AMARTH -Sound, fernab vom oftmals eintönigen beliebigen Gegrunze anderer Rumpelcombos, das steht für mich ebenso unbestritten fest wie seine starke Bühnenpräsenz.
Beim vorliegenden Album wurde dieses Mal auf jegliche Synthiestreicher-Keyboard-Teppiche verzichtet, welche auf „Surtur Rising“ für behagliche Stimmung sorgten und stellenweise, für meinen Geschmack, den Gesamteindruck etwas zu sehr zukleisterten, wie gesagt, auf dem neuen Album geht man wieder direkter zu Werke.

Auch abseits der Musik gibt es kleine Veränderungen zu bemerken, zum Einen hebt sich die Farbstimmung des Covers deutlich von dem seiner Vorgänger ab, obwohl man bei „Twilight Of The Thunder God“ auch schon mal partiell von den etwas wärmeren Farbtönen abwich, geht hier aber noch ein ganzes Stück weiter.
Zum anderen haben Johan und die Jungs für’s Photoshooting die Äxte und sonstige Requisiten zu Hause gelassen und wurden ganz locker lässig ohne fiese Posen abgelichtet. Was ich auch ganz gut finde, völlig ausreichend.
Für die Bewertung der Musik ist das alles natürlich absolut zu vernachlässigen, aber das waren Dinge, die mir aufgefallen sind, bevor ich das Album das erste Mal auf den Plattenteller gelegt hatte.

Welches musikalische Bild sich mir da bot, nehme ich jetzt mal in Ruhe auseinander.
Nach melodischem Twin-Lead-Gitarren-Einstieg baut sich vor Einem ein typischer Kracher auf, der facettenreich in Tempo, Dynamik, Kraft und der charakteristischen AMON AMARTH – Melodieführung daher kommt. Hier wird niemand enttäuscht, der der Band bereits verfallen ist. Alles beim Alten, könnte man meinen. Stimmt aber nur bedingt! 
Das beweißt „As Loke falls“. Ich würde beinahe soweit gehen und dem Song stellenweise (für AMON AMARTH -Verhältnisse!!!) progressive Züge, was die Struktur in Bezug auf Breaks und Übergänge angeht, zuschreiben. Auch verzichtet man hier auf einen prägnanten Chorus. Es lohnt sich auch ruhig mal auf die Beckenarbeit von Fredrik Andersson bewusst zu hören, er würzt seine Drumparts gelegentlich mit kleinen abwechslungsreichen rhythmischen Variationen. Das sind so die winzigen Details, die einem Song eine gewisse Tiefe geben. Zugegeben, das ist keine klassische AMON AMARTH -Nummer.

Die nächste Überraschung folgt auf dem Fuße, als ich bei „Father of the wolf“ doch tatsächlich einen Wah-Wah-Effekt im Gitarrensound wieder finde. Mir ist nicht bewusst, dass dieser im Klanggewand der Schweden jemals Verwendung gefunden hat. Der Song hat Druck, einen eindringlichen kraftvollen Refrain und überzeugt mich auf ganzer Linie. 
„Shape shifter“ ist ein treibendes Stück was auch ordentlich groovt. Das hätte locker auch aus der Feder von UNLEASHED stammen können, gerade auch was den Rhythmus angeht. 
Mit „Under siege“ legen Johan und Co. noch eine sehr solide hymnisch harmonische Nummer in typischer AMON AMARTH -Manier nach. Obwohl sie auch hier noch eine kleine Neuerung im Petto haben. Im Ausklang des Songs geht doch das Melodiethema tatsächlich in eine Akkustikgitarrenvariante desselben über! Das hat man so von dieser Band auch noch nicht gehört. Feine Sache! 

Jetzt kommt eines der absoluten Albumhighlights zum Zuge: „Blood eagle“! Ein peitschender, packender Song mit relativ untypischem Refrain und Leadgitarren, die mich ein wenig an GRIP INC. erinnern.
Wer bis jetzt noch kein Zucken der Nackenmuskulatur verspürt hat, dem ist zwar eigentlich auch nicht mehr zu helfen, aber vielleicht bringt „We shall destroy“ den passenden Groove mit? Ein hämmernder melodischer Titel mit integriertem Hüpfpart (so möchte ich es jetzt mal in Ermangelung einer treffenderen Ausdrucksweise nennen). Auch nicht ganz AMON AMARTH -typisch, gibt aber wieder eine weitere feine Facette zum Album hinzu, von daher absolut legitim.

Die größte Überraschung von „Deceiver Of The Gods“ steht uns mit „Hel“ bevor. Da geht es schleppender zur Sache und auch hier verlässt man ein wenig das gewohnte melodische Terrain und zudem hört man Johan im Duett mit Messiah Marcolin (ex-CANDLEMASS). Wie gesagt, das ungewöhnlichste Stück der Platte, aber vollends gelungen. Die Kombination wirkt zu jeder Zeit authentisch und überhaupt nicht erzwungen. Stellenweise hat es schon fast hypnotische Züge. Klasse gemacht! 
Mit „Coming of the tide“ gibt man noch mal richtig Gas. Hier stimmt die Balance von Melodie und Druck perfekt. Die Rhythmusgitarren kommen so tight daher, dass selbst Jon Schaffer zu seinen Glanztagen blass geworden wäre. Typische Kost ohne Schnörkel und Extras, aber das wird in dem Falle auch gar nicht gebraucht.
Der Wah-Wah-Effekt wird nun zum Abschluß noch mal ausgepackt und findet in der stampfenden melodiösen Hymne „Warriors of the north“ einen zweiten Einsatz. Kein ungewöhnlicher Rausschmeißer in der Discografie der Schweden, hier schippert man den Kahn gemächlich und dennoch kraftvoll an Land.

Fazit:
Ich finde „Deceiver Of The Gods“ sehr gelungen, auch gerade die kleinen Neuerungen finden meine Begeisterung. Ebenso ist die Produktion dem Songmaterial völlig passend ausgefallen.
Der einst hochpolierte Schlachtenhelm darf jetzt wieder etwas Dreck und Rost tragen, sozusagen. Aber, es steht ihm gut!

Hörtipps:
“Father of the wolf”, “Blood eagle”, “Hel”, “We shall destroy”, “Coming of the tide”


Bewertung: 9 von 10 Punkten

Tracklist:

01 .Deceiver of the gods
02.As Loke falls
03.Father of the wolf
04.Shape shifter
05.Under siege
06.Blood eagle
07.We shall destroy
08.Hel
09.Coming of the tide
10.Warriors of the north


Besetzung:

Johan Hegg – Vocals
Olavi Mikkonen – Guitar
Ted Lundström – Bass
Johan Söderberg – Guitar
Fredrik Andersson – Drums


Für die Freunde der physischen Tonträger:


Erschienen ist das gute Stück neben der Standard CD auch als Doppel-CD im Schuber mit 4 Bonustracks, auf Vinyl natürlich (soweit mir bekannt – in blauem [weltweit 500 Stück] und klassischen schwarzen Vinyl – Gatefoldsleeve jedoch jeweils ohne Bonustracks, dafür lediglich mit Poster) und als Die-Hard-Variante mit Doppel-CD in einer Box inklusive Loki-Büste. Das schlägt sich allerdings mächtig auf den Preis nieder. Die Limitierung ist hier wohl auf 5000 Stück weltweit festgesetzt.