Info
Bandname: Airbourne
Albumname: Black Dog Barking
Musikrichtung: Hard Rock
Erscheinungsjahr 2013
Label: Roadrunner Records
Herkunft: Australien
Facebook: www.facebook.com/airbournerock
Website: www.airbournerock.com  /  www.roadrunnerrecords.com/Airbourne
Nun war es also soweit. AIRBOURNE haben ihr drittes Album auf die Menschheit losgelassen.
Sind die Erwartungen hoch? Schwer zu sagen, nachdem das letzte Album „No Guts No Glory“ alles andere als wirklich überzeugend war.
Genau genommen aber nun auch nicht verwunderlich. Denn nach dem Achtungserfolg mit „Running Wild“ und dem anschließenden Konzertmarathon war sicherlich nicht viel Zeit, in Ruhe ans Songwriting zu gehen. Was zur Folge hatte, dass das Album irgendwie unausgegoren, etwas verkrampft und überstürzt wirkt. Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen nur eine E.P. zu veröffentlichen, aber das nur am Rande.
Wie schlägt sich nun angesichts des etwas blassen Vorgängers „Black Dog Barking“?
Die Nadel senkt sich nieder und wir harren der Dinge, die da kommen…
Aber der erste Schreck setzt schon ein, als ein primitivster „Oh oh ho ho“-Chorgesang langsam ansteigend ins Ohr zu kriechen versucht. Das wirkt so erzwungen und absolut abgegriffen, dass es mich beinahe angewidert schüttelt. Schnell geht das Ganze dann in einen klassischen AIRBOURNE -Rocker über. „Ready to rock“ kommt sehr uninspiriert daher und im Mittelteil begegnet uns der nervige Intro-Teil wieder. Diesmal als Leadgitarrenmelodie getarnt. Schrecklich! Dann kommt der Chor nochmal! Hier wurde wirklich sehr krampfhaft versucht eine konzerttaugliche Hymne zu schreiben oder besser: zu konstruieren. Sowas Halbgares und Klischeehaftes habe ich schon lange nicht mehr gehört. Genaugenommen eigentlich eine Frechheit, ich fühle mich verarscht.
Wem bisher das nervtötende „Oh oh ho ho“-Gegröhle noch nicht den Rest gegeben hat, der hat am Ende des Songs ein weiteres Mal die Möglichkeit dazu.
Für mich steht jetzt schon fest, das ist der mit Abstand schlechteste und künstlichste Song, den AIRBOURNE bisher veröffentlicht haben. Das Ding ist ja wohl so was von daneben gegangen, hoffentlich nicht repräsentativ für den Rest des Albums!
Klar, einen Originalitätspreis würde die Band so oder so nicht gewinnen, aber wie soll man auch klingen, wenn zwei Brüder aus Australien ne Band ins Leben rufen.
Mal im Ernst. Innovativ sind AIRBOURNE nicht und wollen es auch nicht sein. Im weitesten Sinne sollte man es als musikalische Denkmalpflege betrachten. Trotzdem sind AIRBOURNE in keiner Weise mit all den unsäglichen Klonen oder Coverbands gleichzusetzen. Immerhin agierten sie auf ihrem Debüt trotzdem spritzig, frisch und brachten irgendwie das Feeling annähernd in Gefilde, in denen ihre musikalischen Vorbilder einst ihr Unwesen trieben und es wäre ja am Ende auch schade, wenn niemand da wäre, der eines Tages das Zepter übernimmt!
Da sind AIRBOURNE mit ziemlicher Sicherheit die größten Hoffnungsträger was diese Sache angeht.
Mit „Animalize me“ geht es in die nächste Runde. Ein Stampfer, der mich irgendwie, abgesehen von den Gitarrensounds, ein bisschen an KISS erinnert. Zumindest kann ich mir diesen Song gut irgendwo in den 80ern bei den Herren Simmons und Co. vorstellen.
Tja, für mich weder Fleisch noch Fisch. Geht so durch, ist kein totaler Rohrkrepierer wie das Eröffnungsstück…nee, so wirklich bekommen sie damit die Kuh auch nicht vom Eis, obwohl mir die etwas tiefere Stimmlage von Joel am Songanfang ganz gut gefällt. Sollte er öfters mal mit einfließen lassen.
Allem Unmut und der Enttäuschung zum Trotz kann ich verkünden, dass ab dem dritten Stück die Platte langsam Fahrt aufnimmt und AIRBOURNE wieder Herr der Lage sind.
„No one fits me (better than you)“ ist ein Gute-Laune-Rocker mit melodischem Refrain. Geht gut ins Ohr und macht Spaß, ein leichter (!!!) Anklang von Versöhnung kommt in mir hoch. „Back in the game“ eröffnet mit einem Riff, was ganz relaxt groovig aus der Hüfte schießt und diesem Midtempo-Stampfer ordentlich Würze gibt. „I’m back in the game, kickin’ ass again“ Absolut!
 Mit „Firepower“ lassen die Jungs, trotz des Songtitels, nichts anbrennen. Solide Nummer ohne großartige Überraschungen. Kann man durchgehen lassen und dürfte sicherlich auch live gut funktionieren, ohne ein wirklicher Hit zu sein.
Nebenbei gesagt, ist die Platte auch produktionstechnisch absolut passend, nicht überproduziert und transparent. Aufgenommen wurde wohl auch so richtig auf analogen Bändern, wie die Band verkündete.
Wer bisher noch nicht erkannt hat, auf welchem Gebiet AIRBOURNE ihre musikalischen Wurzeln haben und ihre Inspirationen herbekommen, der bekommt es mit „Live it up“ direkt in die Ohren gedrückt. Alles in allem eine treibende Nummer mit Motivationsanspruch „You got the invitation – I got the booze – life’s a vacation when there’s nothing to lose“. Na dann, Prost Jungs!
 “Woman like that” ist auch eine sehr eingängige refrainlastige Nummer mit Tamburin-Hintergrundrascheln, die zum entspannten Nicken einlädt und textlich vielleicht auch dem Einen oder Anderen aus der Seele spricht, wer weiß. Jedenfalls sollte man jetzt entspannt eingegroovt sein bevor „Hungry“ das Energielevel wieder ordentlich nach oben zieht.
Flotter Rocker, zwar nicht der originellste, gerade auch was den Refrain angeht, aber dennoch durchaus hörbar. Stimmlich präsentiert man sich hier in den Strophen etwas rotziger, passt!
„Cradle to the grave“ ist ein Song der Marke „drink all day and rock all night” mit melodischem Refrain. Von der Klangfarbe her nicht ganz so rotzig eher etwas voller und weicher während der Titletrack wieder die Äxte röhren lässt. Zum Schluß nochmal ein kräftiger Song mit klassischem Refrain, wäre meiner Meinung nach auch ein guter Opener gewesen.
Zum Glück schaffen es AIRBOURNE trotz des (meiner Meinung nach) unterirdisch schlechten „Ready to rock“ und dem schwachen „Animalize me“ das Ding sauber und halbwegs unbeschadet über die Ziellinie zu wuchten.
In Interviews gaben die O’Keeffe-Brüder zu Protokoll, dass sie für die vorliegende Platte aus einem Fundus von etwa 40 Songs, die mehr oder weniger besten 10 für diese Veröffentlichung ausgewählt haben.
Da drängt sich mir doch die Frage auf, wie übel denn der Rest gewesen sein muß, dass so ein Fehlschuß wie „Ready to rock“ es sogar bis zum Opener geschafft hat.
Wohl eher liegt der Schluß nahe, dass hier eventuell die Plattenfirma versucht hat einen Hit mit Livepotential durchzusetzen, der selbst im letzten Zelt am Ende des Festivalgeländes noch bei dem wirkt, der gerade sein Delirium vom Vortag auspennt. Platt genug dafür wäre er ja. Nun gut, genug der Spekulation, ich pack die Giftspritze wieder ein.
Fazit: 
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass „Black Dog Barking“ sicherlich nicht so gut ist wie „Running Wild“, wobei hier ja auch zu weiten Teilen der Überraschungsmoment mit reingespielt hat, den die 4 Australier heutzutage als Trumpf nicht mehr ziehen können. Dennoch ist „Black Dog Barking“, mit leichten Abstrichen, ein gutes Rockalbum der alten Schule und um Längen besser als der Vorgänger, wird bei mir auf jeden Fall hin und wieder die Ohren passieren.
Wer AIRBOURNE also auf ihrem Debüt mochte, kann hier ebenso sorgenlos zugreifen, wer die Band erst entdecken will, sollte vielleicht zuerst auf selbiges zurückgreifen und wer dann beide Platten ins Herz geschlossen und noch nicht genug hat, kann sich dann versuchen dem Zweitwerk des Quartetts zu widmen.
Anspieltipps:
“No one fits me (better than you)”, “Back in the game”, “Woman like that”, “Cradle to the grave”, “Black dog barking”

Bewertung: 8 von 10 Punkten
Tracklist:
01 .Ready to rock
02.Animalize
03.No one fits me (better than you)
04.Back in the game
05.Firepower
06.Live it up
07.Woman like that
08.Hungry
09.Cradle to the grave
10.Black dog barking
Besetzung:
Joel O‘Keeffe – Vocals, Guitar
Ryan O’Keeffe – Drums
David Roads – Guitar, Backing vocals
Justin Street – Bass, Backing vocals
Für die Freunde der physischen Tonträger:
Es sei an der Stelle noch gesagt, dass mir die Vinyl-Ausgabe zur Bewertung vorlag. Was insofern schon wieder perfekt ist, da es (nach eigenen Aussagen) die Intention der Band war ein „Vinyl-Album“ zu machen.
Es gibt aber noch eine CD-Deluxe Edition (oder wie auch immer), welche noch 3 Bonustracks vorzuweisen hat (selbst eine Ausgabe, der ein T-Shirt beiliegt gibt es – also Vollbedienung).