Info 

Bandname:  Sodom 
Albumname:  Epitome Of Torture 
Musikrichtung:  Thrash Metal 
Erscheinungsjahr:  2013 
Label:  Steamhammer 
Herkunft:  Deutschland 
Facebook:  www.facebook.com/sodomized
Website:  www.sodomized.info

Neues aus dem Hause SODOM. Nach dem mehr als ordentlichen „In War And Pieces“ Album, dass mit einigen Überraschungen aufwartete, war ich nun gespannt wie das Trio mit neuem Schlagzeuger im Bandgefüge lärmen würde.
So wirklich enttäuscht hatten mich SODOM bisher nicht, auch wenn bei den letzten Scheiben allein die Selbstbetitelte aus dem Jahre 2006 nicht so richtig zünden wollte, ist sie doch weit davon entfernt ein Reinfall zu sein.
Zudem gehöre ich auch nicht zu den Leuten, die von SODOM ein zweites „Agent Orange“ erwarten und bei jeder Neuveröffentlichung der Thrasher besagtem Werk nachtrauern. Dabei wird gern vergessen und unterschlagen, welche großartigen Scheiben SODOM seitdem bereits eingehämmert haben. Sei es nun das fabelhafte „Tapping The Vein“ oder auch „Masquerade In Blood“, „Code Red“, „M-16“ und wie bereits erwähnt „In War And Pieces“!
Die neueste Langrille „Epitome Of Torture“ beginnt, wie seine zwei Vorgänger auch, mit unverzerrter Gitarre, da scheint sich eine kleine Tradition breit zu machen. Vielleicht hat es der eine oder andere lieber, gleich das volle Brett vor die Kauleiste geschmettert zu bekommen – Tja, Pech gehabt. Kurz darauf setzt dann auch schon Toms knarrziger Bass ein und „My final bullet“ nimmt Gestalt an. Ein kraftvoller, packender Song mit einem ohrwurmbeschwörenden und für SODOM-Verhältnisse verdammt melodischen Refrain. Auch Bernemanns Solo fällt ziemlich melodieverliebt aus. Dann gibt’s noch eine schleppende Passage mit textlich beschwörendem „Thy will be done“, was auch ordentlich Druck macht. Herrlich! Keine Songstruktur nach klassischem Schema, sondern richtig gut gebaut. Besser kann man das Album nicht eröffnen. Ich finde den Song wahnsinnig gut und habe ihn mir oftmals nach dem Komplettgenuss von „Epitome Of Torture“ als Zugabe ein weiteres Mal gegeben. Da kann ich definitive Suchtgefahr bescheinigen.
Das SODOM mit „My final bullet“ ihr kreatives Pulver noch lange nicht verschossen haben, beweißt „S.O.D.O.M.“. Das Intro-Riff spiegelt klanglich die Anfangstage der Band wieder. Im Anschluss gibt’s das volle Brett und zwar ohne Schnörkel. Ebenso mit einem genialen Refrain ausgestattet, auch wenn der dieses Mal nicht melodisch ausfällt, ist der Song mitreißend und sollte live mehr als gut funktionieren. Die Thrash-Institution hat sich damit eine eigene Hymne oder besser: Hymnen-Walze auf den Leib geschneidert. Zeit wird’s!
Das Energielevel bleibt erhalten und der Titletrack wird in bester Thrash-Manier mit satten Stakkatoriffs befeuert. Eine sehr solide Nummer, die zwar im Vergleich der zwei Vorgängerstücke leicht abfällt, aber trotzdem begeistern kann. Gerade auch der Refrain bleibt gut hängen.
Was mir schon bei den letzten Veröffentlichungen der Thrash-Veteranen gefallen hat, ist die Tatsache, dass Tom sein Organ sehr variabel einsetzt und somit zusätzlich für Abwechslung sorgt. Bei „Stigmatized“ findet man sogar leichte Ansätze von Growls. Ansonsten keift und röchelt er, dass es nur so eine Freude ist. Obwohl der Refrain eigentlich nur aus einem Wort besteht, gefällt mir die rhythmische Darbietung dessen sehr gut und auch das bleibt über das Ende des Stücks hinaus hängen.
Bei „Cannibal“ nimmt man sich wieder etwas tempomäßig zurück und groovt dafür gehörig. Dabei gehen SODOM wieder sehr harmonisch zu Werke. Solide Nummer.
Nicht ganz so gelungen finde ich „Shoot today – kill tomorrow“. Im Grunde keine schlechte Sache, aber so richtig überzeugt sie mich trotzdem nicht, obwohl man hier auch sehr vielschichtig rumpelt. An der Stelle hätte ich eher den Bonustrack des Digipaks (oder der Vinylausgabe) „Splitting the atom“ gehört. Da reisst auch die etwas rhythmisch modern angehauchte Gesangspassage nichts raus, wo Tom so klingt als hätte er in eine Blechdose gesungen.
Den verlorenen Boden machen die Herren aber bereits mit „Invocating the demons“ mehr als wieder gut. Packendes Liedgut mit häufigem Rhythmuswechsel, Dynamik und melodischer Härte. Neuzugang Makka hämmert gepflegt auf sein Kit ein und lässt die Tom-Toms gehörig poltern. Volltreffer.
Etwas geradliniger wird uns „Katjuscha“ präsentiert. Hierbei dürfen natürlich die klassischen Stakkatosalven auch nicht fehlen, um das Ganze mit Nachdruck nach Vorn zu peitschen. Dazu kredenzt man noch einen kräftigen Mitgröhlrefrain und Tom röhrt sich die Seele ausm Leib. Solche Nummern gehören einfach zu einer guten SODOM-Scheibe dazu. Punkt!
„Into the skies of war“ beweist auch wieder ein gutes Händchen für Harmonien und Melodien. Ein Headbanger im Mid-tempo-Bereich. Kein stures stumpfes Geholze sondern mit Feingefühl und Köpfchen musiziert. Gefällt mir auch sehr gut.
Eine ganze Spur erdiger und ohne größere Überraschungen entfaltet sich „Tracing the victim“. Ein schleppendes Stück, das zumindest bei mir nicht direkt beim ersten Mal Begeisterungsstürme losbrechen ließ. Was ja aber kein Qualitätsmerkmal darstellt. Auf jeden Fall passt es sich bestens ins Gesamtgeschehen von „Epitome Of Torture“ ein und verbreitet eine ganz eigene Stimmung und Melodik.
An dieser Stelle endet das reguläre Album und wir wenden uns direkt und ohne Umschweife den Bonustracks zu:
Bei „Waterboarding“ wechseln sich schnelle und schleppende Passagen ab. Der Refrain hat Druck ohne Ende, dass einem die Hosenbeine flattern, wird aber doch ein paar Mal zu oft eingesetzt. Das wirkt dann zumindest bei mir nicht mehr und hat die Tendenz auf Dauer etwas zu nerven. Da sind dem Trio scheinbar etwas die Ideen ausgegangen. Geht aber als Bonustrack absolut in Ordnung und es wäre schade gewesen, die Aufnahme im Archiv verstauben zu lassen.
Ich hatte „Splitting the atom“ ja bereits erwähnt und finde es als Bonustrack ein bisschen deplatziert. Es ist stark genug als vollwertiger Beitrag auf dem Album zu stehen. Hier macht man dem Hörer noch mal richtig Feuer unterm Hintern und begeistert einmal mehr mir Variation und Stimmungswechseln.
Der spezielle Vinyl-Bonustrack ist MOTÖRHEAD’s „Ace of spades“. Ob man nun eine weitere Interpretation dieses Songs braucht, soll jeder für sich selbst entscheiden. Wie Tom Angelripper in Interviews anmerkte, bedeute ihm der Song bis heute sehr viel und seine Begeisterung dafür sei ungebrochen. SODOM halten sich bei der Ausführung im Grunde voll am Original, packen ihn eben nur ins bandtypische Klanggerüst. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.
Fazit:
Als Erstes möchte ich positiv erwähnen, dass die Band diesmal wieder auf ein deutschsprachiges Lied verzichtet hat. Zum Glück, möchte ich sagen, in Erinnerung an das sehr gewöhnungsbedürftige und ideenlose „Knarrenheinz“ vom Vorgänger.
Ansonsten zeigen SODOM mit „Epitome Of Torture“ deutlich auf, dass sie noch genügend Energie und Ideen haben, um ein knackig frisches Album einzuzimmern. Dabei verweist man ganz lässig eine ganze Reihe von Nacheiferern der jüngeren Generation auf ihre Plätze. So muss das sein!
Wie heißt es doch so schön: „Thrash ´til death!“ Wenn SODOM in Zukunft ähnlich starke Alben veröffentlichen, von mir aus auch gern darüber hinaus!
Anspieltipps: „My final bullet“, „S.O.D.O.M.“, „Stigmatized“, „Invocating the demons“



Bewertung: 9 von 10 Punkten


Tracklist:

01.My final bullet
02.S.O.D.O.M.
03.Epitome of torture
04.Stigmatized
05.Cannibal
06.Shoot today – kill tomorrow
07.Invocating the demons
08.Katjuscha
09.Into the skies of war
10.Tracing the victim
11.Waterboarding (Bonustrack)
12.Splitting the atom (Bonustrack)
13.Ace of spades (Bonustrack – vinyl only)


Besetzung:

Tom Angelripper – Vocals, Bass
Bernemann – Guitars
Makka – Drums


Für die Freunde der physischen Tonträger:

Die Digipak-CD-Ausgabe beinhaltet 2 Bonustracks, die Vinylvariante (erhältlich in:red/black marbled vinyl , green vinyl, yellow vinyl) bietet zusätzlich einen weiteren Bonustrack.