In letzter Zeit war in den Redaktionsräumen von New Rock Reviews nicht allzu viel Leben, aber da sich ja ein paar ältere Herren entschlossen hatten, mal wieder ein bisschen Lärm zu machen (zweimal habe ich ja schon darüber gesprochen) und die Meinungen zu dem Album, und ob es ein Review verdient hat, auseinandergehen, bleibt der ganze Mist mal wieder an mir hängen. Danke dafür.

Um wen geht es? Ich nehme an, selbst die unaufmerksamsten Metalheads haben mittlerweile mitbekommen, dass diese Band aus den 80ern, TEMALLICA, – oder wie auch immer die hießen – ein paar Songs aufgenommen haben. Woher weiß man das? Drei Monate Marketing und einen Tag vorher ALLE Songs in Videoform veröffentlicht. Na ja, kann man von halten was man will, aber ob so eine Band das noch nötig hat … Den Satz darf jeder für sich selbst beenden.

Also, Hardwired … To Self-Destruct ist erschienen. Am Freitag, oder Donnerstag, wie man es eben nimmt. Ein kurzer Blick auf das Albumcover sagt, die Band heißt METALLICA – gut, nach acht Jahren ohne richtiges Album kann man den Namen schon mal vergessen. Wobei, eigentlich ist das letzte richtige Album der Band ja schon 13 Jahre her. (Boom, ich hab’s gesagt. Let the hate begin.)

Los geht’s mit dem “Song”, der mich schon vor drei Monaten zum Ausrasten gebracht hat – im negativen Sinn. Überall Bananenmatsch, war nicht schön. Gerade für meine Putzfrau. Aber gut, bei “Hardwired” kann man ja auch nicht anders. Uninspirierter Beginn, Strophe, Bridge, Refrain, Strophe, Bridge, Refrain, Solo, Strophe Bridge Refrain, Ende. Geil. Wie neu. “Atlas, Rise!” fand ich da schon besser. Ein bisschen Maiden hier, ein bisschen Maiden da, wahrscheinlich ist das auch der Grund weshalb er mir besser gefiel. Songstruktur bleibt natürlich dieselbe, wir wissen ja, über wen wir reden.

“Now That We’re Dead” wirkt recht groovig. Man möchte fast meinen, der Song sei gut und eigentlich ist er das auch. Die Frage ist nur, warum man dafür 7 (sieben!) Minuten braucht? Das Intro, ach Qautsch – den ganzen Song kann man halbieren und dem ganzen damit eine kleine Load/ReloadEinfärbung verleihen. Gut, haben sie nicht gemacht. Erstmal ein Faxe exen. Vielleicht wird’s dann besser. Mmm, nach dem Solo kommt tatsächlich ein bisschen Load/Reload. Not bad, aber nicht großartig. Der nächste Song wäre “Moth into Flame”. Den fand ich ja tatsächlich gar nicht so schlecht, als ich ihn zum ersten Mal gehört hab. Mehr zu meiner Meinung findet sich hier.

Groovig geht’s weiter mit “Dream No More”. Der überrascht mich dann doch. Wer sich früher gefragt hat, ob METALLICA kein 90er-Zeug mehr spielen können, weil ihnen Newsted fehlt, oder ob sie es nicht mehr wollen: Sie wollen es nicht mehr, oder etwa doch? Denn die Nummer erinnert mich stark an Songs wie “The House that Jack Built” und “King Nothing”. Na wenigstens ein Titel, der bei der Platte gut wegkommt. Bisher. Man weiß ja nie. “Halo on Fire” ist die fast schon übliche – na ja – Halbballade, könnte man sagen. Guter Groove im Refrain, nette Strophe, hübsches Solo, aber eigentlich sind meine Erwartungen an ‘TALLICA höher.

Und dann kommt der Disc-Wechsel. Nach etwas mehr als einer halben Stunde. Ich zucke mit den Schultern – ein bisschen Nostalgie für den Plattenliebhaber vielleicht? Wie in den 80ern, quasi. Und, 80er passt auch bei “Confusion” ganz gut. Eine Mischung aus “Disposable Heroes”, “Frayed Ends of Sanity” und ganz wenig “One”. Fertig ist der nächste Anti-Kriegs-Song. Alles schon mal da gewesen. Ich zucke nochmal mit den Schultern. Bisher packt mich der ganze Hype nicht. Ganz und gar nicht. Das Bass-Intro von “ManUNKind” ist dagegen schon was anderes. Das Riffing erinnert mich irgendwo an “Ronnie” und zeigt mir, dass der Song echt Potenzial hätte. Hätte, allerdings geht mir Ulrichs Schlagzeug auf den Sack. Tierisch. Kann der Mann keine normalen Beats spielen? Verdammt nochmal. Bum Tschakk Bum Tschakk. Kann ihm das vielleicht mal einer beibringen? Lars “Ich mach mal einen auf Portnoy und versage kläglich” Ulrich: Hier fliegen schon wieder die Bananenfetzen durch die Luft. Estefania wird sich morgen wieder freuen und wenn sie’s nicht wegmacht, dann machst du’s.

“Here Comes Revenge” kommt mir vom Grundton richtig bekannt vor. Klingt im Intro nach einer …And Justice for AllNummer. Und zwar … “Harvester of Sorrow”. Zugegeben, er ist gerade im Refrain etwas schneller, aber klingt mir doch sehr nach Wiederverwendung. Schade, auch irgendwie nur eine mittelmäßige Nummer. Und dafür auch noch viel zu lang. Das Schulterzucken hört einfach nicht auf. “Am I Savage?” kam mir vom Titel her auch sehr bekannt vor. Ich dachte erst, es wäre eine Art Fortsetzung von “Am I Evil?”, aber nein – dafür ist dann doch zu viel Groove drin. Ruhiger Beginn, sehr coole Riffs, für mich neben “Dream No More” der Hit auf dem Album. Der Gesang erinnert mich ein wenig an “Invisible Kid”, das abgedämpfte Picking in der Bridge hat einen Load/Reload-Vibe (ja, ich weiß, dass ich euch auf die Eier gehe) und sogar ein paar kleine Breakdowns (von METALLICA!!!) kommen vor. Das ist zwar mal überraschend, aber leider ein wenig zu spät und selten auf Hardwired … To Self-Destruct. Und 4:30 hätten als Spielzeit auch ausgereicht.

“Murder One”, der Lemmy-Tribute-Song, geht vom Riffing auch wieder in Richtung 90er. Da kommt die Frage auf: Was’n bei Hetfield kaputt? Mir gefällt’s und weil’s ein Lemmy-Tribute ist, gefällt’s mir sogar noch mehr. Kritikpunkt: Die Bridge und das Solo wirken etwas deplatziert. Aber selbst die Länge ist mit 5:45 noch im Rahmen des angenehm Hörbaren. Angenehm hörbar wird es mit “Spit Out the Bone” nicht mehr. Wie das Album angefangen hat, endet es auch. METALLICA versuchen wieder zwanghaft einen auf 20 zu machen und thrashen was das Zeug hält. Allerdings doppelt so lang wie beim Opener. Weiß nicht, ob das sein muss. Nein, es muss nicht sein. Wirklich nicht. Schon gar nicht so lang. Estefania! Noteinsatz …  ja, heute … doch, senora … tss, diese Mexikaner immer.

Fazit: Würde nicht METALLICA draufstehen, würden es die meisten wahrscheinlich nicht kaufen. Aber eben weil es drauf steht und neu ist, ist es geil. Das hat mich schon in den ganzen letzten Monaten gestört. Da machen Leute Reaction-Videos auf YouTube wie sie sich “Hardwired” anhören und alle gehen übelst ab. Keiner bezeichnet es als das, was es wirklich ist: Mittelmaß. Ja, es sind ein paar gute Songs drauf. Ja, vielleicht brauchen die anderen eine Weile, bevor sie zünden, aber irgendwo ist mir das nach 8 Jahren zu wenig. Dazu diese unterirdische Marketing-Strategie. Sorry, aber mehr wird’s nicht.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

Hörtipps: Die wirklich guten sind “Dream No More” und “Am I Savage?”, aber auch “Murder One” “Atlas, Rise!” und “Moth into Flame” haben ihre Momente.

Tracklist:

  1. Hardwired
  2. Atlas, Rise!
  3. Now that We’re Dead
  4. Moth into Flame
  5. Dream No More
  6. Halo on Fire
  7. Confusion
  8. ManUNKind
  9. Here Comes Revenge
  10. Am I Savage?
  11. Murder One
  12. Spit out the Bone

Wer Bock auf Mehr hat: Auf Disc 3 gibt’s auch noch “Lords of Banana”, zwei Cover Songs (einmal Dio, einmal Maiden) und etliche Live-Aufnahmen.

Besetzung:

Vocals, Rhythmusgitarre: James Hetfield

Leadgitarre: Kirk Hammett

Bass: Rob Trujillo

“Drums”: Lars Ulrich

Info:

Musikrichtung: “Trash Meh-Tal”

VÖ-Datum: 17.11/18.11.2016

Label: Warner Music Group

Herkunft: USA, USA, USA

Facebook: https://www.facebook.com/Metallica/

Webseite: https://metallica.com/