Nachdem wir letzte Woche ausführlich über IN HEARTS WAKE’s neues Album Ark gesprochen haben, wenden wir uns heute einer doch bekannteren Metalcore-Band zu. Letzten Freitag warfen MISS MAY I Shadows Inside auf den Markt und da wir uns immer um detaillierte Reviews kümmern, wollte ich mir die Zeit einfach nehmen.

Der erste Eindruck des Albums ist schon mal fett. Die Produktion ist typisch für’s Genre, mächtig, basslastig, drückend. Die ein oder anderen Soundspielereien (Delays, Reverbs, Synths) sind auch mit dabei. Nichts ungewöhnliches also, aber trotzdem schon jetzt ein fetterer Sound als letzte Woche.

Mit “Shadows Inside” schlägt einem gleich der Titelsong entgegen. Treibende Double-Bass und mächtige Gitarrenriffs lassen schon mal ordentlich Mosh-Feeling aufkommen. Der erste Breakdown lässt in Form der Bridge auch nicht lange auf sich warten, bevor es dann in einen genretypisch gesungenen Chorus übergeht. Allerdings bekommen es MISS MAY I dabei irgendwie hin, nicht so nervig rumzuheulen wie IN HEARTS WAKE und andere Klischee-Vertreter der Szene. Ein ganz klares Plus. Weiter geht’s mit “Under Fire”, der mit einem klassischen AS I LAY DYING-Intro aufwartet, bevor es in eine recht düster-drückende Strophe übergeht. Der Chorus ist hier allerdings echt pathosbeladen; das hätte man besser hinbekommen können.

“Never Let Me Stay” ist die erste Abwechslung auf der Scheibe. Im Intro erinnert mich das ganze an die zweite LOSTPROPHETS-Scheibe (sogar an den Titelsong “Start Something”), Chorus und Strophe könnten von den modernen BRING ME THE HORIZON nicht besser geschrieben worden sein (muss man halt drauf stehen) und im ganzen Titel gibt es kaum Shouts, was allerdings gar nicht so wirklich stört. Ein nettes Experiment so früh auf der Platte. Mit “My Destruction” folgt eine Nummer, die mir persönlich ganz gut ins Ohr geht. Irgendwo zwischen IN FLAMES und ARCH ENEMY angesiedelt, bleibt besonders der Chorus gut hängen. Der Breakdown überzeugt mit richtig guten Leads. Ein stabiler Hörtippkandidat.

Apropos Hörtipps: “Casualties”. Wie fett kann man einen Song eigentlich beginnen lassen? Wer Anregungen braucht, hier kann man sie finden. Das Manko ist allerdings der Chorus. Der ist mir einfach zu weich. Wenn man einen Song so beginnen lässt, dann muss im Refrain mehr kommen. Schade eigentlich. “Crawl” geht wieder in Richtung Metalcore-Ballade. Ähnlich wie “Never Let Me Stay” gibt es hier kaum Shouts, die Geschwindigkeit wird heruntergefahren, viel Hall auf dem Schlagzeug tragen zum ohnehin schon krassen Pathos bei. An sich fast schon ein Song, den man skippen könnte, allerdings rettet der Breakdown dann doch recht gut. Gerade nochmal die Kurve bekommen, würde ich sagen. Den hätte ich so nicht erwartet.

Mächtiger Breakdown gleich zum Anfang? “Swallow Your Teeth” weiß, wie man mich beeindrucken kann. Der Refrain ist hier durch das groovige Schlagzeug echt cool und der Gesang wirkt dadurch weitaus besser. Besonders gut finde ich auch den lyrischen Ansatz (“The richer getting richer // The poorer into pay”), der sich mit sozialer Ungleichheit befasst. Eigentlich klare Metalcore-Themen, von denen ich bisher allerdings auf Shadows Inside nur wenig mitbekommen habe. Mit “Death Knows My Name” geht es wieder etwas ruhiger los. Allerdings wirkt der Titel weitaus rockiger, hier und da wird mit Shouts das nötige Metalcore-Feeling verbreitet, der Chorus überzeugt mit einer coolen Lead und das Solo ist der Höhepunkt des ganzen. MISS MAY I scheinen noch mal alles rauszuholen.

“Lost in the Grey” überzeugt mich immer mehr von dieser Aussage. Zwar könnte ich mir in der Strophe mehr Druck vorstellen, aber das ganze wird im Refrain und Breakdown (Headbang-Garantie!) stark ausgeglichen. Sehr stabiles Songwriting. Mit “My Sorrow” sind wir dann auch schon am Ende des Albums angelangt. Der beginnt auch wieder recht dynamisch und arbeitet sich recht schnell in typische AS I LAY DYING-Muster vor. Der Refrain geht aber verdammt gut ins Ohr. Wer nicht auf gesungene Refrains steht, ist hier zwar prinzipiell falsch. Bei wem es jedoch auf die Umsetzung des Gesangs ankommt, wie bei mir, der wird hier eventuell doch seinen Gefallen finden. Ein ganz guter Abschluss.

Fazit: MISS MAY I haben mit Shadows Inside ein ordentliches Album vorgelegt. Mir wird es stellenweise ein wenig zu pathosbehaftet, ein wenig zu klischeehaft, aber die fünf Amis wissen, wie sie mich wieder bekommen. Stabile Breakdowns, fette Riffs und eingängige Hooks sind hier auf jeden Fall zu finden. Gut, aber nicht überragend.

Bewertung 7,5 von 10 Punkten

Hörtipps: Shadows Inside, Never Let Me Stay, My Destruction, Casualties, Lost in the Grey

Tracklist:

  1. Shadows Inside
  2. Under Fire
  3. Never Let Me Stay
  4. My Destruction
  5. Casualties
  6. Crawl
  7. Swallow Your Teeth
  8. Death Knows My Name
  9. Lost in the Grey
  10. My Sorrow

Besetzung:

Vocals: Levi Benton

Gitarre: Justin Aufdemkampe

Gitarre: B.J. Stead

Bass: Ryan Neff

Schlagzeug: Jerod Boyde

 

Info:

Musikrichtung: Metalcore:

VÖ-Datum: 02.06.2017

Label: Sharptone

Herkunft: USA

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Website: Miss May I Website